In vielen anspruchsvollen Entwicklungsprojekten existiert nach wie vor eine strikte Trennung: Mechanik, Konstruktion und Gehäuse entstehen in einer Abteilung, während die digitale Bedienoberfläche parallel oder nachgelagert von Softwareteams entwickelt wird. Das Resultat dieser Silos sind Produkte, bei denen sich Haptik, Ergonomie und digitale Benutzerführung wie Fremdkörper gegenüberstehen. Eine solche Trennung zwischen physischer Hardware und digitaler Interaktion ist weder bei Konsum- und Gebrauchsgütern noch im modernen B2B- und Industrieumfeld zeitgemäß.
Matthias Hahnen, Team Lead Product Design und Lead Designer Industry Solutions bei Shapefield, schließt genau diese Lücke. Im Interview und Facheinblick erläutert er, warum echtes Industriedesign weit über reine Ästhetik hinausgeht, wie Hardware und Software nahtlos ineinandergreifen müssen und welche methodischen Schritte für langlebige Produkte und Maschinenlösungen entscheidend sind.
Ein weit verbreiteter Irrglaube in produzierenden Unternehmen lautet: IndustriedesignerInnen werden erst gerufen, wenn die Konstruktion steht, um das Gehäuse optisch ansprechend zu gestalten. Diese Sichtweise verkennt den eigentlichen Kern der Disziplin. Industriedesign ist kein kosmetischer Abschluss, sondern eine methodische Entwicklungsdisziplin, die den gesamten Produktlebenszyklus beeinflusst.
Wenn Design rein auf die äußere Form reduziert wird, bleiben funktionale Potenziale ungenutzt. Ganz gleich ob Konsumartikel, professionelles Gebrauchsgerät oder hochkomplexes Investitionsgut: Produkte müssen spezifischen Anforderungen an Haltbarkeit, Normenkonformität, Fertigbarkeit und Ergonomie standhalten. Wird das Designteam zu spät eingebunden, führen nachträgliche Anpassungen an Geometrien, Fertigungswerkzeugen oder Gehäusen zu hohen Korrekturkosten und Verzögerungen.
Gutes Industriedesign betrachtet ein Produkt daher von Beginn an als System. DesignerInnen analysieren Anforderungen, optimieren Herstellungsverfahren und stellen sicher, dass das physische Objekt seine Funktion optimal erfüllt.
Bei Shapefield verantwortet Matthias Hahnen zwei Kernbereiche, die bei smarten Produkten und Maschinen eng miteinander verwoben sind:
In dieser Funktion liegt der Fokus auf der physischen Produktgestaltung für ein breites Spektrum an Märkten – von Konsum- und Gebrauchsgütern über Labor-, Medizin- und Audiotechnik bis hin zu anspruchsvollen Investitionsgütern. Hierzu zählen Gehäusekonzepte, Material- und Fertigungsdefinitionen, mechanische Schnittstellen sowie die haptische Ergonomie.
Dieser Aufgabenbereich konzentriert sich auf die Konzeption und Gestaltung digitaler Bedienschnittstellen (UX/HMI) im industriellen Sektor. Dazu gehören Bedienoberflächen für Fertigungsstraßen, Maschinensteuerungen, Prozessleitsysteme (SCADA) und Manufacturing Execution Systems (MES).
Die Kombination beider Disziplinen bietet entscheidende Vorteile: Wenn DesignerInnen sowohl das Gehäuse als auch die darauf laufende Softwareoberfläche verstehen, entstehen keine Reibungsverluste an den Schnittstellen. Ein Touchpanel wird nicht isoliert betrachtet, sondern im Kontext des Einbauwinkels, des Lichteinfalls in der Werkshalle und der Arbeitshandschuhe der BedienerInnen gestaltet.
Fundiertes Industriedesign erfordert Erfahrung mit verschiedensten Fertigungsprozessen, Werkstoffen und Branchenanforderungen. Nach seinem Designstudium an der Hochschule der Bildenden Künste Saar mit Schwerpunkt Produkt- und Industriedesign vertiefte Matthias Hahnen sein Wissen über viele Jahre in der Praxis.
Bei DESIGNBOX in Ravensburg gestaltete er unter Axel Hartmann zahlreiche Produkte und Softwareoberflächen für die professionelle Musikindustrie (unter anderem für Marken wie Sennheiser, Gibson oder Universal Audio) sowie Spielzeug für Ravensburger und Projekte in den Bereichen Medizintechnik und Elektronik. Anschließend war er bei den IKA-Werken in Staufen – einem der weltweit führenden Anbieter für Labor- und Analysentechnik – maßgeblich für die Neuausrichtung der Interfacegestaltung und das Industriedesign moderner Laborgerätegenerationen mitverantwortlich.
Seit 2021 bringt Matthias Hahnen diese Erfahrung bei Shapefield ein, um das Leistungsspektrum um eine eigene Abteilung für Industriedesign zu erweitern. Damit erhalten Unternehmen branchenübergreifendes Produktdesign sowie spezialisierte Industrie-UX aus einer Hand.
Die Qualität eines digitalen Produkts oder einer Anlage entscheidet sich an der Nahtstelle von Hardware und Software. Unternehmen, die Produktdesign und HMI-Entwicklung getrennt voneinander beauftragen, riskieren inkonsistente Bedienkonzepte und unnötige Entwicklungszyklen.
Ein durchdachter Entwicklungsprozess führt beide Welten frühzeitig zusammen:
Sie planen die Entwicklung eines neuen Hardwareprodukts (Konsum-, Gebrauchs- oder Investitionsgut) oder möchten Gehäusedesign und industrielle HMI nahtlos aufeinander abstimmen?
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